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Aston Service Hamburg

Bentley · 1998–2009

Bentley Arnage – Green Label, Red Label und die Wege danach

Kaum ein Bentley hat so unterschiedliche Herzen unter derselben Haube. Diese Seite ordnet ein, welcher Arnage vor Ihnen steht, welche Technik zu welcher Version gehört und wo Wartung und Prüfung ansetzen sollten.

Steckbrief

Bauzeit
1998–2009
Green Label
V8 mit 4,4 Litern und zwei Turboladern, Basis von BMW
Red Label und Nachfolger
6,75-Liter-V8 aus Crewe, zunächst mit einem, bei späteren Versionen mit zwei Ladern
Versionen
Arnage, Red Label, R, RL mit langem Radstand, T, Final Series
Getriebe
Je nach Version Fünfgang-, Viergang- oder später Sechsgangautomatik
Schwestermodell
Rolls-Royce Silver Seraph mit V12 von BMW

Worauf wir achten

Die Schwachstellen des Arnage

Was an diesem Modell zuerst altert – und was wir bei jedem Termin gezielt ansehen.

  1. Lader und Abgaskrümmer

    Die Ladertechnik beider Motorfamilien verlangt dichte Öl- und Kühlmittelleitungen. Undichte Krümmer, Ölspuren am Lader und nachlassender Ladedruck gehören zu den häufigsten Befunden bei Wagen mit lückenhafter Historie.

  2. Kühlmittelschläuche und Ventile

    Die Kühlkreisläufe führen viele Schläuche durch einen heißen, engen Motorraum. Porös gewordene Leitungen und klemmende Heizungsventile zeigen sich als Kühlmittelverlust oder ungleich warme Innenraumseiten.

  3. Achsen und Bremsen unter viel Gewicht

    Ein Arnage wiegt deutlich über zwei Tonnen. Querlenkerlager, Traggelenke, Scheiben und Beläge arbeiten entsprechend. Poltern über Kanten und Vibrationen beim Bremsen sind selten Kleinigkeiten.

  4. Steuerkette am Green Label

    Der BMW-V8 hat einen Kettentrieb mit Führungsschienen. Rasseln beim Kaltstart ist ein Hinweis, den man vor dem Kauf ernst nehmen sollte – die Reparatur ist aufwendig.

  5. Komfortelektrik

    Sitzverstellung, Fensterheber, Zentralverriegelung und Klimaregelung hängen an Steuergeräten und langen Kabelwegen. Sporadische Ausfälle deuten oft auf Masse, Stecker oder eine geschwächte Batterie.

Warum der Arnage zwei Motorfamilien hat

Der Arnage kam 1998 als neu konstruierte Limousine auf einer eigenen Karosserie statt der Plattform der SZ-Reihe. Entwickelt wurde er, als Rolls-Royce und Bentley noch unter einem Dach standen und BMW als Motorlieferant eingeplant war. Den Rolls-Royce-Ableger, den Silver Seraph, trieb ein BMW-V12 an; den Bentley ein V8 von BMW mit zwei Turboladern.

Dann trennten sich die Wege: Volkswagen übernahm Bentley und das Werk in Crewe, die Namensrechte an Rolls-Royce gingen an BMW. Bentley wollte nicht dauerhaft von einem Motor des Wettbewerbers abhängen und brachte den eigenen 6,75-Liter-V8 zurück. Das Ergebnis ist der Red Label; die frühen BMW-Wagen heißen seitdem Green Label.

VersionMotorEinordnung
Arnage (Green Label)4,4-Liter-V8 von BMW, zwei LaderErste Serie, früh eingestellt
Arnage Red Label6,75-Liter-V8, ein LaderRückkehr zum Crewe-Motor
Arnage R / RL6,75-Liter-V8Komfortorientiert, RL mit langem Radstand
Arnage T6,75-Liter-V8, zwei LaderSportliche Spitze der Reihe
Final Series6,75-Liter-V8Abschluss der Baureihe 2009

Green Label: BMW-Technik im Bentley

Der 4,4-Liter-V8 des Green Label ist ein Motor aus der BMW-Familie jener Jahre, für den Arnage mit zwei Ladern aufgeladen. Dazu gehört eine Fünfgangautomatik von ZF. Als Grundmotor ist er gut dokumentiert, doch Ansaugtrakt, Aufladung, Motorsteuerung und Kabelbaum sind auf den Bentley zugeschnitten.

Wartung heißt hier: Ölwechsel ohne Verzug, Kühlsystem sauber halten und die Laderperipherie regelmäßig ansehen. Beim Kaltstart hört man auf den Kettentrieb. Ein Green Label mit belegter Historie ist ein angenehmer, leiserer Arnage – einer ohne Belege ein Wagen, bei dem die Kaufberatung vor dem Kauf mehr spart, als sie kostet.

Red Label, R und T: der große V8 aus Crewe

Der 6,75-Liter-V8 im Red Label stammt aus der langen Linie, die schon im Silver Spirit und Turbo R lief, hier mit moderner Motorsteuerung und Aufladung. Anfangs kam eine GM-Viergangautomatik dazu. Der Arnage T trieb die Leistung mit zwei Ladern deutlich weiter; spätere Jahrgänge erhielten eine Sechsgangautomatik.

Der Motor ist drehmomentstark und verzeiht niedrige Drehzahlen, mag aber keine kurzen Wege im Winter. Kondensat und nicht verbrannter Kraftstoff landen im Öl, wenn der Wagen nie richtig warm wird. Wer seinen Arnage hauptsächlich in der Stadt bewegt, sollte das Ölwechselintervall eher verkürzen als ausreizen. Einmal im Monat eine längere Überlandfahrt hilft mehr als jedes Additiv.

Getriebe und Kühlung: die leisen Kostentreiber

Die Automatik eines Arnage schaltet viel Drehmoment. Getriebeöl, das nie gewechselt wurde, zeigt sich als verzögerter Gangwechsel oder Rucken beim Herunterschalten. Ein Ölwechsel mit Filter ist bei Wagen mit unbekannter Historie meist der erste sinnvolle Schritt – bevor man über Steuerung oder Wandler spricht.

Zwei Lader, ein großer Motor und wenig Luft um ihn herum: Die Kühlung arbeitet beim Arnage an der Grenze dessen, was der Motorraum hergibt. Kühler, Lüfter, Ausgleichsbehälter und Schläuche altern gemeinsam. Wer einen Schlauch tauscht, sollte die Nachbarn ansehen; ein Kühlmittelverlust unter Last ist beim Turbomotor nie ein Thema für später.

Silver Seraph: die Schwester mit V12

Der Silver Seraph entstand parallel zum Arnage und teilte mit ihm Karosseriestruktur, Fahrwerk und viel Innenraumtechnik. Unter der Haube arbeitet ein V12 von BMW mit 5,4 Litern, ohne Aufladung und mit Fünfgangautomatik. Die Baureihe endete, bevor BMW die Marke ab 2003 unter eigener Regie neu aufbaute. Auf ihrer Basis entstanden weitere Rolls-Royce, darunter eine Version mit langem Radstand.

Für die Wartung bedeutet das: Fahrwerk, Bremsen, Elektrik und Innenraum folgen denselben Mustern wie beim Arnage, Motor und Zündanlage denen eines BMW-Zwölfzylinders jener Jahre. Teile für beide Varianten beschaffen wir über ein Netzwerk in Deutschland, Großbritannien und weltweit – bei motorspezifischen Komponenten führt der Weg oft über die BMW-Teilenummer.

Fahrwerk, Bremsen und Innenraum

Die Aufhängung trägt ein schweres Auto und wird entsprechend beansprucht. Gummilager an Querlenkern und Stabilisatoren ermüden, Dämpfer lassen nach, und die Bremsen arbeiten gegen viel Masse. Prüfen lohnt sich auf der Bühne mit Hebel und Messuhr, nicht nur auf der Probefahrt. Reifen mit passender Tragfähigkeit und korrektem Luftdruck sind bei diesem Gewicht keine Nebensache, sondern Teil der Bremsanlage.

Elektrik und Klima tragen den Komfort: Steuergeräte, Sensoren und viele Stellmotoren. Sporadische Ausfälle lassen sich nur am Stromlaufplan sauber eingrenzen, wie auf unserer Seite zur Fahrzeugelektrik beschrieben.

Leder und Holz bedecken im Arnage fast jede Fläche; Sitzwangen und Holzleisten der Türen altern zuerst. Ist ein Neubezug oder neues Furnier fällig, arbeiten wir mit ausgewählten Sattlern und Holzspezialisten. Nach dem Arnage folgte der Mulsanne der Neuzeit; den Weg zum modernen Bentley zeigt der Continental GT.

In der Werkstatt

Was wir an Ihrem Arnage machen

Vor jeder größeren Arbeit erhalten Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag. Zeigt sich unterwegs mehr, rufen wir an, bevor es weitergeht.

Mehr zum Rolls-Royce & Bentley
  • Wartung und Inspektion, Ölwechsel und Filterservice für BMW-V8 und 6,75-Liter-V8
  • Bremsen für ein Auto dieses Gewichts – Scheiben, Beläge, Sättel und Flüssigkeit
  • Komfortelektrik und Steuergeräte – Fehlersuche mit Schaltplan und Messtechnik
  • Klimaautomatik – Lecksuche, Befüllung, Kompressor und Verdampfer
  • Kühlsystem, Getriebe und Motorrevision
  • Pflege und Aufbereitung von Leder und Furnier, bei Neubezug mit ausgewählten Sattlern
  • Kaufberatung mit 3 bis 5 Stunden Prüfung und schriftlichem Gutachten
  • Teilebeschaffung für BMW- und Crewe-Motor über Netzwerk in Deutschland, Großbritannien und weltweit

Häufige Fragen

Fragen zum Arnage

Woran erkenne ich einen Green Label?

Am Motor. Der Green Label trägt den V8 mit 4,4 Litern aus BMW-Fertigung, der Red Label den großen 6,75-Liter-V8 aus Crewe. Äußerlich sind die frühen Versionen kaum zu unterscheiden. Sicher ist der Blick unter die Haube oder in die Fahrzeugpapiere, deren Hubraumangabe den Unterschied eindeutig zeigt.

Ist der Green Label schwerer zu warten als der Red Label?

Nein, er ist anders zu warten. Viele Grundteile des BMW-Motors sind gut verfügbar, Bentley-spezifische Anbauteile dagegen nicht immer. Der 6,75-Liter-V8 ist ein Motor mit eigener Tradition und eigenen Teilen. Entscheidend ist bei beiden eine lückenlose Wartung – ein vernachlässigter Arnage wird unabhängig vom Motor teuer.

Hat der Arnage noch die Hochdruckhydraulik der Vorgänger?

Nein. Mit dem Arnage verabschiedete sich Bentley vom zentralen Hochdrucksystem, das seit dem Silver Shadow Bremsen und Niveau versorgt hatte. Die Bremsanlage arbeitet konventionell, mit ABS und elektronischen Fahrhilfen. Für den Besitzer heißt das weniger Hydraulikthemen, dafür mehr Elektronik und Sensorik im Wartungsplan.

Was unterscheidet den Silver Seraph vom Arnage?

Der Motor. Der Rolls-Royce Silver Seraph fährt mit einem V12 von BMW und wurde nur mit diesem Antrieb gebaut. Karosseriestruktur und viele Komponenten teilt er mit dem Arnage. Damit gelten für Fahrwerk, Elektrik und Innenraum ähnliche Themen, für Motor und Motormanagement dagegen eigene.

Termin für Ihren Arnage?

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