Die SZ-Baureihe: zwei Marken, ein Unterbau
1980 löste die SZ-Reihe den Silver Shadow ab. Die Plattform stammt im Kern vom Vorgänger, Karosserie und Hinterachse sind neu. Rolls-Royce brachte Silver Spirit und den verlängerten Silver Spur, Bentley den Mulsanne. Was dann folgte, trennte beide Marken stärker als je zuvor: Bentley wurde über den Turbo zur sportlichen Hälfte des Hauses.
| Modell | Marke | Einordnung |
|---|---|---|
| Silver Spirit / Silver Spur | Rolls-Royce | Saugmotor, Spur mit langem Radstand; mehrere Serien |
| Mulsanne / Mulsanne S | Bentley | Schwestermodell des Silver Spirit |
| Eight | Bentley | Einstiegsmodell mit Netzgrill, straffere Abstimmung |
| Mulsanne Turbo | Bentley | Erster Turbo der Reihe, Lader bläst durch Vergaser |
| Turbo R | Bentley | Turbo mit Einspritzung und strafferem Fahrwerk |
| Brooklands | Bentley | Nachfolger von Mulsanne S und Eight in den Neunzigern |
Die genauen Jahre überschneiden sich je nach Markt. Für Wartung und Teile zählt die Fahrgestellnummer, nicht das Modellschild – innerhalb einer Serie gab es laufend Änderungen.
Hydraulik und Fahrwerk der SZ-Reihe
Das Hochdrucksystem arbeitet ausschließlich mit Mineralöl. Es versorgt die Bremsen und die hintere Niveauregulierung, die an der Hinterachse über Federbeine mit Gasdruckkugeln arbeitet. Vorn federn Schraubenfedern ohne Höhenausgleich. Anders als beim Silver Shadow stellt sich deshalb die Frage nach der Flüssigkeitssorte nicht mehr – wohl aber die nach dem Alter der Kugeln.
Eine müde Kugel verändert das Fahrgefühl schleichend. Der Besitzer gewöhnt sich an ein härteres Heck, bis Vergleich oder Prüfung zeigt, wie der Wagen eigentlich fahren sollte. Ende der Achtziger kam bei vielen Modellen eine elektronisch geregelte Dämpfung dazu, die mit Sensoren und Stellern ein eigenes Diagnosefeld eröffnet.
Bremsen
Die Bremsanlage bezieht ihren Druck aus Speichern, die eine vom Motor angetriebene Pumpe lädt. Späte Jahrgänge haben ABS. Ein weicher oder ungleichmäßiger Pedaldruck ist selten ein Belagproblem – meist steckt ein Speicher, ein Ventil oder eine undichte Leitung dahinter. Den Hydraulik-Service behandeln wir als System, nicht als Einzelteilwechsel.
Motor: Vergaser, Einspritzung und Turbo
Der 6,75-Liter-V8 stammt aus der Vorgängergeneration und wurde im Lauf der Jahre mehrfach überarbeitet. Europäische Saugmotoren begannen mit Vergasern; für Märkte mit strengeren Abgasvorschriften kam früher eine mechanisch geregelte Einspritzung. Ab Mitte der Achtziger setzte sich die Einspritzung in der gesamten Reihe durch.
Mulsanne Turbo und Turbo R
Der Mulsanne Turbo kombinierte einen Abgasturbolader mit einem Vergaser, durch den der Lader die verdichtete Luft drückte. Der Turbo R erhielt Einspritzung, ein strafferes Fahrwerk und Leichtmetallräder mit breiteren Reifen. Beide verlangen sauberes Öl, eine intakte Ölversorgung des Laders und geduldiges Warmfahren. Wer den Motor nach scharfer Fahrt sofort abstellt, belastet Lagerung und Dichtungen des Laders.
Anfang der Neunziger löste eine Viergangautomatik die bewährte Dreigangautomatik ab. Das senkt Drehzahl und Geräusch auf der Autobahn, bringt aber elektronische Steuerung ins Getriebe.
Kühlung und Klimaanlage
Der V8 sitzt eng im Motorraum, beim Turbo zusätzlich neben einem heißen Lader. Kühlerlamellen, Schläuche und Thermostat altern hier schneller als bei einem luftigeren Aufbau. Weil der Block aus Leichtmetall ist, gehört Kühlmittel mit passendem Korrosionsschutz in regelmäßigen Abständen gewechselt – nicht erst, wenn die Temperaturanzeige steigt.
Die Klimaautomatik der SZ-Reihe regelt Temperatur und Luftverteilung über Servos, Klappen und Fühler. Fällt eine Ebene aus oder bläst die Anlage nur noch warm, liegt die Ursache oft in der Regelung und nicht im Kältekreis. Frühe Wagen kamen mit R12, spätere mit dem Nachfolgekältemittel; welches in Ihrem Wagen steckt, zeigt in der Regel der Aufkleber im Motorraum.
Karosserie und Unterboden
Die SZ-Karosserie rostet weniger freizügig als der Vorgänger, aber an denselben Stellen: Radläufe, Schwellerenden, Wagenheberaufnahmen und die Bereiche um die Hinterachsaufnahme. Bei Silver Spur und Brooklands mit Schiebedach gehören die Abläufe in jede Inspektion. Schweißarbeiten und Lackierung dokumentieren wir mit Fotos jeder Arbeitsphase.
Wartung, Elektrik und Innenraum
Viele SZ-Wagen fahren wenige tausend Kilometer im Jahr. Für sie zählt das Intervall nach Zeit mehr als der Tacho: Motoröl, Kühlmittel und Hydrauliköl altern auch in der Garage. Welche Abstände für wenig bewegte Klassiker taugen, steht in unserem Ratgeber zu den Wartungsintervallen.
Bei der SZ-Reihe wächst der Anteil der Elektronik von Jahrgang zu Jahrgang: Einspritzsteuerung, Dämpferregelung, ABS, Klimaautomatik. Fehler zeigen sich oft sporadisch und verschwinden wieder. Wir verfolgen sie mit Schaltplan und Messgerät bis zur Ursache; wie wir dabei vorgehen, steht unter Elektrik und Klimatechnik.
Leder, Wurzelholz und Teppich prägen den Wert eines Silver Spur oder Brooklands stärker als bei fast jedem anderen Auto. Kleinere Schäden bereiten wir selbst auf; für neue Bezüge oder abgelöstes Furnier holen wir ausgewählte Sattler und Holzspezialisten dazu. Den Nachfolger der Bentley-Linie, den Arnage, betreuen wir ebenfalls.