XJ6 und XJ12: die drei Serien im Überblick
Die XJ-Limousine von 1968 war Jaguars Versuch, mehrere Baureihen durch ein einziges Auto zu ersetzen. Sie blieb bis 1992 im Programm, über drei Serien, mit Sechs- und Zwölfzylinder, kurzem und langem Radstand. Daimler bot parallel den Sovereign und den Double Six an. Der Nachfolger XJ40 ist eine eigene Konstruktion und gehört nicht zu dieser Familie.
| Serie | Bauzeit | Motoren | Werkstattrelevante Merkmale |
|---|---|---|---|
| Serie I | 1968–1973 | XK 2,8 und 4,2, ab 1972 V12 5,3 | schlanke Stoßstangen, SU-Vergaser, langer Radstand ab 1972 |
| Serie II | 1973–1979 | XK 3,4 und 4,2, V12 5,3 | höhere Stoßstange, neues Armaturenbrett, Coupé XJ-C, V12 im Lauf der Serie mit Einspritzung |
| Serie III | 1979–1992 | XK 3,4 und 4,2, V12 5,3 | neue Dachlinie, 4,2 in vielen Märkten eingespritzt, mehr Komfortelektrik |
Die Grenzen zwischen den Serien sind fließend. Ausstattung, Vergaser- und Einspritzvarianten wechseln je nach Markt und Modelljahr. Bevor wir Teile bestellen, lesen wir deshalb Fahrgestell- und Motornummer ab, statt uns auf die Serienbezeichnung zu verlassen.
Ein Sonderfall ist das zweitürige Coupé XJ-C der Serie II. Es kommt ohne B-Säule aus, die Seitenscheiben verschwinden vollständig in Türen und Seitenteilen. Das sieht elegant aus, verlangt aber sorgfältige Einstellung von Fensterführungen und Dichtungen, sobald Wind- oder Wassergeräusche auftreten.
Technik, die man an der XJ-Limousine kennen muss
Sechszylinder und Zwölfzylinder
Der XK-Motor im XJ6 ist derselbe Grundmotor wie in E-Type und Mark 2, aber auf ruhigen Lauf und Komfort abgestimmt. Die 4,2-Liter-Version ist die häufigste. Der V12 im XJ12 macht aus der Limousine ein sehr schnelles, extrem leises Auto – und aus dem Motorraum einen der engsten der Epoche. Schon ein Zündkerzenwechsel dauert dort spürbar länger.
Vergaser oder Einspritzung
Die Vergaser-Sechszylinder fahren mit zwei SU-Vergasern, deren Typ je nach Baujahr und Markt wechselt. Beim 4,2 der Serie III arbeitet in vielen Märkten eine elektronische Einspritzung, deren Sensoren und Stecker so wichtig sind wie früher die Düsennadel. Die SU-Vergaser stellen wir immer paarweise ein – ein sauber justierter Vergaser nützt wenig, wenn der zweite anders zieht.
Achsen
Vorn trägt ein gummigelagerter Querträger Motor und Vorderachse, das entkoppelt Geräusche von der Karosserie. Hinten sitzt die Jaguar-Einzelradaufhängung im Achskäfig mit zwei Federbeinen je Seite und innenliegenden Bremsen. Beide Baugruppen hängen an Gummilagern – deren Zustand bestimmt, ob sich das Auto wie ein XJ fährt oder wie ein alter Lieferwagen.
Doppeltank
Jeder XJ der Serien I bis III hat zwei Tanks in den hinteren Kotflügeln, per Schalter umgeschaltet. Das System aus zwei Gebern, Ventilen und Leitungen ist eine eigene Fehlerquelle, die an anderen Klassikern schlicht nicht existiert.
Wartung: worauf es bei XJ6 und XJ12 ankommt
Beim Sechszylinder gehören Ventilspiel, Vergaser oder Einspritzung, Zündung und der Zustand des Kühlsystems zum Pflichtprogramm. Die Kühlung ist beim XJ6 unkritischer als beim XJ12, verlangt aber trotzdem korrekten Frostschutz, damit der Aluminiumkopf nicht von innen korrodiert.
Beim XJ12 steht die Wärme im Mittelpunkt. Kühler, Lüfter, Wasserpumpe und die Schläuche zwischen den Zylinderbänken prüfen wir bei jedem Service. Kraftstoffleitungen im heißen Motorraum tauschen wir nach Alter.
Die meisten XJ fahren mit Automatik, beim Sechszylinder von Borg-Warner, beim V12 ab den späten Siebzigern von GM. Ölstand, Ölzustand und die Einstellung der Kickdown-Steuerung entscheiden, ob der Wagen weich schaltet. Wer Schaltgetriebe fährt, hat eine hydraulische Kupplung, deren Geber- und Nehmerzylinder bei langen Standzeiten zuerst aufgeben.
Die Klimaanlage vieler XJ arbeitet automatisch geregelt, mit Stellmotoren und Temperaturfühlern. Läuft sie jahrelang nicht, werden Dichtungen spröde und Kältemittel entweicht. Wir warten, befüllen und suchen Lecks; bei alten R12-Anlagen erarbeiten wir tragbare Lösungen.
Die Elektrik der späten Fahrzeuge verdient eigene Aufmerksamkeit. Zentralverriegelung, Fensterheber, Tempomat und bei manchen Ausstattungen ein Bordcomputer laufen über Relais und Stecker, die vierzig Jahre Feuchtigkeit hinter sich haben. Unsere Fahrzeugelektrik arbeitet mit Schaltplänen und Messtechnik – Rezensenten auf Google loben besonders diesen Bereich und die Klimaanlagen. Wiederkehrende Fehlerbilder der Lucas-Komponenten beschreibt unser Ratgeber.
Restaurierung und größere Arbeiten
Die XJ-Limousine ist groß, und entsprechend groß sind die Flächen, an denen Rost arbeitet. Viele Fahrzeuge der Serie II gelten als besonders anfällig. Eine ehrliche Instandsetzung beginnt mit dem Abnehmen von Stoßstangen, Verkleidungen und Tanks, weil die kritischen Stellen dahinter liegen.
Jeder Schritt einer Restaurierung wird fotografiert, damit Sie später sehen, was unter dem Lack passiert ist. Größere Arbeiten beginnen mit einem schriftlichen Kostenvoranschlag. Zeigt die Demontage mehr als erwartet, entscheiden Sie, bevor es weitergeht.
Wer vom XJ6 zum Coupé wechseln möchte, findet im XJS viele vertraute Achsbauteile auf verkürzter Bodengruppe – mit eigenen Schwachstellen.