Der DB9 und die VH-Architektur
Mit dem DB9 begann 2004 in Gaydon eine neue Bauweise. Statt eines Stahlrahmens trägt eine Struktur aus Aluminium-Strangpressprofilen und Gussteilen, die verklebt und punktuell vernietet sind. Aston Martin nannte das Prinzip VH, und es trug über Jahre fast die gesamte Modellpalette – vom V8 Vantage bis zur zweiten Generation des Vanquish.
Für den Besitzer bedeutet das zweierlei. Die Struktur rostet nicht wie Stahl, und sie ist steif genug, dass der Wagen auch nach vielen Jahren nicht knarzt. Dafür lassen sich Schäden an tragenden Teilen nicht mit Richtbank und Schweißgerät beheben. Wer einen DB9 mit Unfallvergangenheit betrachtet, sollte genau wissen, wie repariert wurde.
Transaxle: warum das Getriebe hinten sitzt
Der V12 sitzt weit hinter der Vorderachse, das Getriebe an der Hinterachse. Verbunden sind beide über eine Kardanwelle, die in einem steifen Rohr läuft. So verteilt sich das Gewicht nahezu gleich auf beide Achsen, und der DB9 fährt sich leichter, als seine Größe erwarten lässt.
Die Touchtronic ist eine Wandlerautomatik mit sechs Gängen und Schaltwippen am Lenkrad. Sie ist robust und hat mit den Kupplungssorgen automatisierter Schaltgetriebe nichts zu tun. Sie reagiert aber auf Ölzustand und Temperatur: Wer sie mit altem Öl fährt, bekommt zuerst rauere Schaltvorgänge, später Fehlermeldungen.
Die Handschaltung war in den ersten Jahren lieferbar und ist selten. Bei diesen Fahrzeugen steht die Kupplung mit ihrer Hydraulik im Mittelpunkt jeder Prüfung.
Der V12: Zündung, Hitze, Katalysatoren
Der 5,9-Liter-V12 ist im DB9 ein zuverlässiger Motor, wenn er richtig gewartet wird. Zum Start leistete er rund 450 PS, mit jeder Überarbeitung wurde es mehr. Mechanisch hält er hohe Laufleistungen aus, die Nebenaggregate und die Zündung verschleißen früher.
Die Zündspulen sitzen direkt auf den Kerzen, in einem Motorraum, der sehr heiß wird. Mit dem Alter verlieren sie an Isolation, erst unter Last, dann dauerhaft. Weil der Motor mit elf Zylindern scheinbar normal läuft, ist der Fehlerspeicher der wichtigste Zeuge. Ein gezielter Spulen- und Kerzenwechsel kostet wenig im Vergleich zu überhitzten Katalysatoren.
Kühlmittelschläuche, Wasserpumpe und Thermostat gehören bei Fahrzeugen über zehn Jahren zur regelmäßigen Sichtprüfung. Im Stau zeigen ein schwacher Lüfter oder ein zugesetzter Kühler, wo die Reserve fehlt.
Modellpflege über zwölf Jahre
| Stand | Wesentliche Änderungen |
|---|---|
| ab 2004 | Coupé, Volante folgt kurz darauf; Touchtronic, anfangs auch Handschaltung |
| um 2008 | mehr Leistung, überarbeiteter Innenraum, neue Räder |
| ab 2012 | größte Überarbeitung: neue Front, nochmals stärkerer V12, je nach Ausstattung Keramikbremsen |
| zum Schluss | DB9 GT als letzte Ausbaustufe |
Die Unterschiede betreffen Motorsteuerung, Fahrwerksabstimmung und Ausstattung. Für die Wartung heißt das: Teilenummern und Einstellwerte immer nach Baujahr und Fahrgestellnummer, nie nach „DB9 allgemein“. Beim Kauf lohnt der Abgleich von Papieren, Serviceheft und tatsächlichem Ausstattungsstand, denn Räder, Bremsen oder Innenraumteile späterer Jahrgänge können nachgerüstet sein.
Fahrwerk, Bremsen und Lack
Vorn und hinten arbeiten Doppelquerlenker aus Aluminium. Ihre Gummilager und Traggelenke tragen einen schweren Frontmotor und altern mit Hitze und Zeit. Ein DB9, der beim Bremsen leicht zieht oder auf Querfugen poltert, braucht keine neuen Dämpfer, sondern meist eine Bestandsaufnahme der Lager. Danach gehört die Achsvermessung dazu.
Die Stahlbremsen der meisten Fahrzeuge sind bei zügiger Fahrweise ein Verschleißthema, bei Wagen mit wenig Kilometern eher ein Standzeitthema: Sättel setzen sich fest, Scheiben rosten ein. Keramikbremsen späterer Fahrzeuge verschleißen anders und werden nach Dicke und Gewicht beurteilt, nicht nach Augenschein.
Beim Lack zeigt sich die Aluminiumkarosserie von ihrer empfindlichen Seite. Blasen an Türkanten oder um Anbauteile sind Korrosion unter der Lackschicht. Überlackieren hält nicht; die Stelle muss bis aufs blanke Metall geöffnet und neu aufgebaut werden.
Elektrik, Klima und Volante
Der DB9 ist ein Fahrzeug mit vielen Steuergeräten. Batterieschwäche, Massefehler und korrodierte Stecker erzeugen Meldungen, die auf ganz andere Bauteile zeigen. Die Eingrenzung läuft deshalb mit Schaltplan und Messtechnik. In den Google-Rezensionen der Werkstatt werden Elektrik und Klima besonders gelobt.
Die Klimaanlage steht im DB9 unter besonderer Last: großer Innenraum, viel Glas, ein heißer Motorraum. Kühlt sie nachlassend, ist eine Lecksuche mit Messung sinnvoller als bloßes Nachfüllen – sonst entweicht das Kältemittel beim nächsten Sommer erneut.
Beim Volante kommen das elektrisch betätigte Stoffverdeck und der Überrollschutz hinzu, der bei einem Überschlag ausfährt. Verdeckmechanik, Dichtungen und Wasserabläufe verlangen Pflege, sonst steht Wasser im Innenraum.
Wer einen DB9 kaufen will, sollte vor allem Fehlerspeicher, Unfallgeschichte und Fahrwerk prüfen lassen. Die Kaufberatung nimmt sich dafür drei bis fünf Stunden. Die regelmäßige Pflege danach übernimmt der Aston Martin Service.