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Aston Service Hamburg

Jaguar · 1961–1975

Jaguar E-Type – Service und Technik aller drei Serien

Vom 3.8 mit Moss-Getriebe bis zum V12 der Serie 3 – was jede E-Type-Serie technisch ausmacht, wo sie Pflege verlangt und welche Arbeiten ein Besitzer einplanen sollte.

Steckbrief

Bauzeit
1961–1975
Motoren
XK-Reihensechszylinder mit 3,8 und 4,2 Litern, ab Serie 3 V12 mit 5,3 Litern
Gemischaufbereitung
Drei SU-Vergaser beim Sechszylinder in Europa, Zenith-Stromberg bei späten US-Fahrzeugen und am V12
Getriebe
Moss-Viergang beim 3.8, ab 4.2 vollsynchronisiertes Jaguar-Getriebe, Automatik je nach Karosserie
Karosserien
Roadster, Coupé, ab 1966 zusätzlich 2+2 mit längerem Radstand
Aufbau
Selbsttragende Mittelzelle mit angeschraubtem Rohrrahmen vorn, einteilige Frontklappe
Hinterachse
Einzelradaufhängung im Hilfsrahmen mit innenliegenden Scheibenbremsen
Bordnetz
3.8 mit Plus an Masse und Gleichstromlichtmaschine, 4.2 mit Minus an Masse und Drehstromlichtmaschine

Worauf wir achten

Die Schwachstellen des E-Type

Was an diesem Modell zuerst altert – und was wir bei jedem Termin gezielt ansehen.

  1. Schweller und Bodengruppe

    Die Schweller tragen die Mittelzelle. Rost in Innen- und Außenschwellern, Bodenblechen und Querträgern schwächt die Struktur und verbirgt sich oft unter älteren Reparaturen und frischem Unterbodenschutz.

  2. Rohrrahmen vorn

    Der geschraubte Vorderrahmen trägt Motor, Vorderachse und Frontklappe. Korrosion in den Rohren, Risse an Schweißknoten und Verzug nach Unfällen – ebenso die Anschraubpunkte an der Spritzwand prüfen.

  3. Hinterachse und innenliegende Bremsen

    Ölverlust am Differenzial benetzt die Bremsscheiben, Handbremssättel gehen fest, Lager des Achskäfigs und der Längslenker werden weich. Für neue Scheiben muss die Achse in aller Regel heraus.

  4. Kühlung beim XK-Sechszylinder

    Im Stau werden viele Serie-1-Fahrzeuge zu warm. Ursachen sind verschlammte Kühlkanäle, müde Lüfterschaltung und ein Kühler am Limit. Fehlender Frostschutz lässt den Aluminiumkopf von innen korrodieren.

  5. Lucas-Bordnetz

    Gealterte Steckverbindungen, schwache Masseanschlüsse und angeschmorte Kabel hinter dem Armaturenbrett. Beim 3.8 mit Plus an Masse muss jedes nachgerüstete Gerät zur Polung passen.

  6. V12 der Serie 3

    Der Zwölfzylinder erzeugt viel Wärme im engen Motorraum. Kühler, Wasserpumpe, elektrische Lüfter und die Schläuche im V entscheiden über standfesten Betrieb im Sommer.

E-Type: die Serien im Überblick

Der E-Type ist kein einzelnes Auto, sondern eine Familie aus vierzehn Baujahren. Zwischen dem ersten 3.8 und dem letzten V12-Roadster ändern sich Motor, Getriebe, Bremsen, Bordnetz und Radstand. Für die Werkstatt heißt das: Erst die genaue Serie und das Baujahr bestimmen, dann Teile bestellen. Viele Komponenten sehen gleich aus und passen trotzdem nicht.

SerieBauzeitMotorWoran man sie erkennt
Serie 1 3.81961–19643,8 l XK, drei SU HD8Scheinwerfer hinter Glas, Moss-Getriebe, Plus an Masse
Serie 1 4.21964–19684,2 l XK, drei SU HD8Vollsynchrongetriebe, Drehstromlichtmaschine, ab 1966 auch 2+2
Serie 1½1967–19684,2 l XKScheinwerfer ohne Glas, Kippschalter im Armaturenbrett
Serie 21968–19714,2 l XKgrößere Kühleröffnung, Leuchten unter den Stoßstangen, Girling-Bremsen
Serie 31971–19755,3 l V12, vier Strombergnur langer Radstand, Gitter im Kühlergrill, verbreiterte Radläufe

Die Bezeichnung „Serie 1½“ stammt nicht vom Werk. Sie beschreibt die Übergangsfahrzeuge, bei denen Jaguar wegen amerikanischer Vorschriften einzelne Änderungen der Serie 2 vorwegnahm. Fahrzeuge für den US-Markt bekamen in dieser Phase Stromberg-Vergaser statt der SU-Anlage – ein Import aus Kalifornien ist deshalb technisch nicht dasselbe wie ein europäisches Auto gleichen Jahrgangs.

Technik, die man am E-Type kennen muss

Der XK-Sechszylinder

Zwei obenliegende Nockenwellen, Aluminiumkopf auf Graugussblock, zweistufiger Kettentrieb. Das Ventilspiel wird über Plättchen unter den Tassenstößeln eingestellt – dafür müssen die Nockenwellen heraus. Wer das beim Service überspringt, merkt es erst an schlechter Kompression. Typisch sind außerdem Ölverlust am hinteren Kurbelwellen-Dichtseil und ein Rasseln der oberen Kette, wenn der Spanner nachlässt.

Drei SU-Vergaser

Die Dreifachanlage läuft nur dann sauber, wenn alle drei Vergaser gleich viel Luft ziehen und die Gestänge spielfrei synchron öffnen. Ausgeschlagene Drosselklappenwellen ziehen Falschluft, und dann hilft kein Nachstellen am Gemisch. Unsere Arbeit an SU-Vergasern beginnt deshalb mit dem Zustand der Wellen, Nadeln und Düsen, nicht mit der Einstellschraube.

Die Hinterachse

Jaguars Einzelradaufhängung sitzt im E-Type in einem eigenen Stahlkäfig, der über Gummilager mit der Karosserie verbunden ist. Je Seite arbeiten zwei Federbeine, die Gelenkwelle dient zugleich als oberer Querlenker. Die Scheibenbremsen sitzen innen am Differenzial – gut für die ungefederten Massen, unbequem für jede Reparatur.

Bremsen und Bordnetz

Die frühen Serien bremsen mit Dunlop-Sätteln, der 3.8 zusätzlich mit einem Unterdruck-Faltenbalg-Verstärker, der im Alter gern Luft zieht. Ab 4.2 stellt Jaguar das Bordnetz auf Minus an Masse um. Fehler im Lucas-System suchen wir mit Schaltplan und Messgerät, nicht mit Tauschteilen. Die häufigsten Muster stehen im Ratgeber zu Lucas-Elektrik.

Wartung: worauf es beim E-Type ankommt

Ein E-Type hat mehr Schmierstellen als moderne Autos Filter. Vorderachse, Kreuzgelenke und Radlager hinten verlangen regelmäßig Fett, sonst verschleißen sie still. Dazu kommen Ventilspiel, Vergasersynchronisation, Zündzeitpunkt und der Blick auf das Differenzial, dessen Öl direkt auf die Bremsscheiben tropft, wenn eine Dichtung nachgibt.

Wer wenig fährt, hat andere Sorgen als Laufleistung: alternder Kraftstoff in den Schwimmerkammern, Bremsflüssigkeit mit Wasseranteil, Standplatten an den Reifen. Fahrzeuge, die nur im Sommer bewegt werden, sollten deshalb nach Zeit gewartet werden, nicht nach Kilometern. Unsere Empfehlungen dazu stehen unter Oldtimer-Wartung.

Beim V12 der Serie 3 verschiebt sich der Schwerpunkt. Vier Vergaser müssen synchron laufen, die Zündung ist elektronisch, und das Kühlsystem arbeitet näher an der Grenze als beim Sechszylinder. Ein sauberer Kühler, intakte Lüfter und frisches Kühlmittel sind beim V12 keine Kür, sondern Voraussetzung.

Restaurierung und größere Arbeiten

Die Karosserie entscheidet über den Aufwand. Die Mittelzelle ist selbsttragend, Schweller, Boden und Querträger bilden ihr Rückgrat. Wird dort geschweißt, muss die Zelle vermessen und gespannt werden, sonst schließen hinterher Türen und Frontklappe nicht mehr. Der vordere Rohrrahmen lässt sich abschrauben und separat instand setzen.

Die große Frontklappe ist ein Thema für sich. Sie besteht aus mehreren Blechteilen, deren Fugen zu Rost neigen, und sie muss nach jeder Reparatur neu an Kotflügel und Türen angepasst werden. Spaltmaße am E-Type sind Handarbeit.

Bei einer Restaurierung dokumentieren wir jede Arbeitsphase mit Fotos. Vor dem Start steht ein schriftlicher Kostenvoranschlag; zeigt sich unter altem Lack ein Mehrbefund, sprechen wir vorher mit Ihnen.

Vor dem Kauf eines E-Type

Die meisten teuren Überraschungen stecken in Karosserie und Hinterachse, nicht im Motor. Welche Punkte Sie selbst prüfen können und woran Sie eine ehrliche Restaurierung erkennen, steht in unserer E-Type-Kaufberatung. Für die Besichtigung begleiten wir Sie auf Wunsch persönlich.

In der Werkstatt

Was wir an Ihrem E-Type machen

Vor jeder größeren Arbeit erhalten Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag. Zeigt sich unterwegs mehr, rufen wir an, bevor es weitergeht.

Mehr zum Jaguar & Daimler
  • Dreifach-SU-Anlage einstellen, synchronisieren und überholen
  • Lucas-Elektrik mit Schaltplan und Messtechnik prüfen, Kabelbaum instand setzen oder neu verlegen
  • Bremsanlage komplett, einschließlich der innenliegenden Hinterradbremsen
  • Kühlsystem für XK-Sechszylinder und V12 instand setzen
  • Kupplung, Getriebe und Motorrevision
  • Schweißarbeiten an Schwellern und Boden, Teil- und Komplettrestaurierung mit Fotodokumentation
  • Ersatzteile über ein Netzwerk in Deutschland, Großbritannien und weltweit

Häufige Fragen

Fragen zum E-Type

Welche E-Type-Serie hat welchen Motor?

Serie 1 bis Herbst 1964 fährt mit dem 3,8-Liter-XK, danach mit 4,2 Litern. Serie 1½ und Serie 2 behalten den 4,2-Liter-Sechszylinder. Erst die Serie 3 ab 1971 bekommt den V12 mit 5,3 Litern, ausschließlich auf dem langen Radstand der 2+2-Karosserie.

Muss für neue Bremsscheiben hinten die Achse ausgebaut werden?

In aller Regel ja. Die Scheiben sitzen innen am Differenzial, der Achskäfig kommt dafür als Einheit aus dem Wagen. Das ist die Gelegenheit, Lager, Dämpfer, Gelenkwellen und die Dichtungen am Differenzial gleich mit zu prüfen – so wird der Aufwand nur einmal fällig.

Wird ein E-Type im Hamburger Stadtverkehr zu heiß?

Nicht, wenn das Kühlsystem vollständig in Ordnung ist. Überhitzung hat fast immer eine Ursache – verschlammte Kanäle, ein zugesetzter Kühler, eine schwache Lüftersteuerung oder falsch eingestellte Vergaser. Wir prüfen das System als Ganzes, statt nur einen größeren Kühler einzubauen.

Begleiten Sie mich zur Besichtigung eines E-Type?

Ja. Die Prüfung vor dem Kauf dauert 3 bis 5 Stunden und endet mit einem schriftlichen Gutachten. In Norddeutschland und im Hamburger Umland sind wir regelmäßig vor Ort. Worauf Sie vorab selbst achten können, steht in unserer E-Type-Kaufberatung im Ratgeber.

Termin für Ihren E-Type?

Schreiben Sie uns Modell, Baujahr und Anliegen – Patrick Bunge meldet sich persönlich.